Nintedanib

Wirkstoff
Nintedanib
Handelsname
Ofev®
ATC-Code
L01EX09
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Nintedanib ist ein niedermolekularer Tyrosinkinaseinhibitor, der insbesondere folgende Rezeptoren hemmt: von Blutplättchen abgeleiteter Wachstumsfaktor-Rezeptor (platelet-derived growth factor receptor, PDGFR) α und ß, Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor (fibroblast growth factor receptor, FGFR) 1-3 und VEGFR 1-3. Darüber hinaus hemmt Nintedanib die Kinasen Lck (lymphocyte-specific tyrosine-protein kinase), Lyn (tyrosine-protein kinase lyn), Src (proto-oncogene tyrosine-protein kinase src) und CSF1R (colony stimulating factor 1 receptor). Nintedanib bindet kompetitiv an die Adenosintriphosphat (ATP)-Bindungstasche dieser Kinasen und blockiert so die intrazellulären Signalwege, die erwiesenermaßen an der Pathogenese fibrotischer Gewebeveränderungen bei interstitiellen Lungenerkrankungen beteiligt sind.

Pharmakokinetik bei Kindern

Laut der Analyse pharmakokinetischer Daten aus der Studie InPedILD (1199.337) führte die orale Anwendung von Nintedanib gemäß gewichtsbasiertem Dosierungsalgorithmus zu einer Exposition in dem bei erwachsenen Patienten beobachteten Bereich. Die beobachteten geometrischen mittleren Expositionen in Form der AUCτ,ss (geometrischer Variationskoeffizient) betrugen 175 ng/ml*h (85,1 %) bei 10 Patienten im Alter zwischen 6 und 11 Jahren bzw. 167 ng/ml*h (83,6 %) bei 23 Patienten im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.

Nintedanib wurde nicht bei Kindern und Jugendlichen mit Leberfunktionsstörung untersucht. Populationspharmakokinetische Modelle zeigen, dass bei Kindern und Jugendlichen mit fibrosierenden interstitiellen Lungenkrankheiten (ILDs) und leichter Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse A) die empfohlenen Dosisreduktionen (wie in Abschnitt 4.2 der Fachinformation beschrieben) zu Expositionen führen würden, die bei der jeweils empfohlenen reduzierten Dosis mit den Nintedanib-Expositionen bei erwachsenen Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse A) übereinstimmen.

(SmPC Ofev)

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Behandlung von klinisch signifikanten progredient fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (ILDs) und interstitieller Lungenerkrankung mit systemischer Sklerose (SSc-ILD)
    • Oral
      • On-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Oral,
- zur Behandlung von klinisch signifikanten progredient fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (ILDs)
- zur Behandlung einer interstitiellen Lungenerkrankung mit systemischer Sklerose (SSc-ILD)

Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren:
13,5-22,9 kg
: 50 mg 2x täglich
23,0-33,4 kg: 75 mg 2x täglich
33,5-57,4 kg: 100 mg 2x täglich
≥ 57,5 kg: 150 mg 2x täglich 

Reduzierte Dosis bei Kindern und Jugendlichen mit leichter Leberfunktionsstörung (Child Pugh A) und zum Umgang mit Nebenwirkungen bei pädiatrischen Patienten:
13,5-22,9 kg: 25 mg 2x täglich
23,0-33,4 kg: 50 mg 2x täglich
33,5-57,4 kg: 75 mg 2x täglich
57,5 kg und darüber: 100 mg 2x täglich

(SmPC Ofev)

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://www.ema.europa.eu bzw. https://medikamente.basg.gv.at/de/medicinal-products abgerufen werden.

Präparate im Handel

Weichkapseln 25 mg, 100 mg, 150 mg

Nintedanib ist in den Weichkapseln in Form von Nintedanibesilat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Nintedanib.

Anwendungshinweis:

Die Kapseln sollten zu einer Mahlzeit eingenommen werden; sie sollten im Ganzen mit Wasser geschluckt und nicht zerkaut werden. Die Kapsel darf nicht geöffnet oder zerkleinert werden. Sie können mit einer kleinen Menge (ein Teelöffel) kalter oder auf Raumtemperatur gebrachter weicher Nahrung eingenommen werden.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Hartkapseln enthalten – je nach Hersteller: Phospholipide aus Sojabohnen

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Allgemeine Informationen zur Dosierung

Bei Kindern und Jugendlichen mit leichter Leberinsuffizienz (Child-Pugh A) sowie zum Umgang mit Nebenwirkungen bei pädiatrischen Patient*innen wird eine reduzierte Dosierung empfohlen: siehe SmPC


Dosierungen

Behandlung von klinisch signifikanten progredient fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (ILDs) und interstitieller Lungenerkrankung mit systemischer Sklerose (SSc-ILD)
  • Oral
    • 6 Jahre bis 18 Jahre und 13,5 bis 22,9 kg
      [1]
      • 100 mg/Tag in 2 Dosen.
    • 6 Jahre bis 18 Jahre und 23 bis 33,4 kg
      [1]
      • 150 mg/Tag in 2 Dosen.
    • 6 Jahre bis 18 Jahre und 33,5 bis 57,4 kg
      [1]
      • 200 mg/Tag in 2 Dosen.
    • 6 Jahre bis 18 Jahre und ≥ 57,5 kg
      [1]
      • 300 mg/Tag in 2 Dosen.

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Übereinstimmend mit dem bekannten Sicherheitsprofil von erwachsenen Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF), anderen chronischen fibrosierenden interstitiellen Lungenerkrankungen (ILDs) mit progressivem Phänotyp und interstitieller Lungenerkrankung bei systemischer Sklerose (SSc-ILD) waren die häufigsten berichteten Nebenwirkungen unter Nintedanib während der placebokontrollierten Phase Diarrhoe (38,5 %), Erbrechen (26,9 %), Übelkeit (19,2 %), Abdominalschmerz (19,2 %) und Kopfschmerzen (11,5 %).

Unter Nintedanib berichtete Leber- und Gallenerkrankungen während der placebokontrollierten Phase waren Leberschaden (3,8 %) und erhöhter Leberfunktionstest (3,8 %).

(SmPC Ofev)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Diarrhoe, Übelkeit, Abdominalschmerz, Erbrechen, Leberenzym erhöht

Häufig (1-10%): Gewichtsabnahme, Appetit vermindert, Kopfschmerzen, Blutung, Hypertonie, Alanin-Aminotransferase (ALT) erhöht, Aspartat-Aminotransferase (AST) erhöht, Gamma-Glutamyltransferase (GGT) erhöht, Alkalische Phosphatase (AP) im Blut erhöht, Ausschlag

Gelegentlich (0,1-1%): Thrombozytopenie, Dehydratation, Myokardinfarkt, Pankreatitis, Kolitis, arzneimittelbedingter Leberschaden, Hyperbilirubinämie, Pruritus, Alopezie, Proteinurie

Häufigkeit nicht bekannt: Posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom, Aneurysmen und Arteriendissektionen, Nierenversagen

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Kontraindikationen allgemein

  • Überempfindlichkeit gegen Erdnuss oder Soja

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Überwachen Sie das Wachstum der Kinder regelmäßig. Bei offenen Epiphysen wird außerdem empfohlen, Veränderungen an den epiphysären Wachstumsfugen zu beurteilen. Überwachen Sie die Zähne der Kinder regelmäßig, und zwar alle 6 Monate, bis ihre Zähne vollständig entwickelt sind.

Bei leichter Leberinsuffizienz ist das Risiko von Nebenwirkungen aufgrund einer höheren Exposition erhöht. Die Anwendung bei Erwachsenen oder Kindern mit mittelschwerer bis schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Score 7–15) wird nicht empfohlen, da keine Daten vorliegen.

(SmPC Ofev)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://www.ema.europa.eu oder https://medikamente.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

PROTEINKINASE-INHIBITOREN

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Anaplastische Lymphomkinase (ALK)-Inhibitoren

Crizotinib

Xalkori®
L01ED01
Andere Proteinkinase-Inhibitoren

Entrectinib

Rozlytrek®
L01EX14

Larotrectinib

Vitrakvi®
L01EX12

Referenzen

  1. Boehringer Ingelheim International GmbH, SmPC Ofev EU/1/14/979/001-004, Geneesmiddeleninformatiebank.nl, Geraadpleegd 12-6-2026
  2. Boehringer Ingelheim International GmbH, SmPC Ofev (EU/1/14/979/001-004,009-012) Rev 29, 06-01-2026, www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung