Testosteron ist das wichtigste männliche Androgen, das hauptsächlich in den Hoden und zu einem geringen Umfang in der Nebennierenrinde gebildet wird. Testosteron ist verantwortlich für die Entwicklung der äußeren und inneren Sexualorgane und für die Aufrechterhaltung der sekundären Geschlechtsmerkmale (Entwicklung der Körperbehaarung, Stimmbruch, Auftreten der Libido), für die Förderung der Proteinsynthese, Entwicklung der Skelettmuskulatur und die Verteilung des Körperfetts sowie für die Reduktion der renalen Ausscheidung von Stickstoff, Natrium, Kalium, Chlorid, Phosphat und Wasser. Testosteronenantat und Testosteronundecanoat sind Ester des natürlich vorkommenden Androgens Testosteron. Die aktive Form Testosteron wird durch Abspaltung der Seitenkette gebildet.
Ein PK-Modell für Erwachsene wurde auf männliche Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren (30–60 kg) allometrisch skaliert, um die subkutane und intramuskuläre Applikation von Testosteron (12,5–100 mg, wöchentlich, alle 2 Wochen oder monatlich) zu simulieren. Die Schätzwerte der Fixeffekt-Parameter des finalen Populations-PK-Modells für subkutan und intramuskulär appliziertes Testosteron-Enantat bei Jugendlichen sind (Vogiatzi 2023):
| SC TE (97,5% KI) | IM TE (97,5% KI) | |
| CL (L/h) | 60,8 (50,3-71,3) | 50,6 (30,1-71) |
CL, zentrale Clearance; IM, intramuskulär; SC, subkutan; TE, Testosteron-Enantat
In einer klinischen Studie wurden Testosteron-Enantat (Testoviron Depot 75 mg intramuskulär 1x monatlich, n = 12) und Testosteron-Undecanoat (Nebido 250 mg intramuskulär alle 3 Monate, n = 14) zur Pubertätsinduktion bei männlichen Jugendlichen (14–16 Jahre) mit verzögerter Pubertät verglichen. Sowohl Testosteron-Enantat als auch Testosteron-Undecanoat führten zu physiologischen Testosteronspiegeln und einem ähnlichen Pubertätsverlauf (Österbrand 2023).
In einer prospektiven Studie wurden 4 männliche Jugendliche (12,7–17,1 Jahre) mit konstitutionell verzögerter Pubertät und/oder Kleinwuchs untersucht, die täglich 40 mg Testosteronundecanoat oral einnahmen. Untersucht wurden Tmax, Spitzenspiegel, sowie der mittlere Gesamt-Testosteronspiegel. Die Studie bestätigte die inter- und intraindividuelle Variabilität des Zeitpunkts der höchsten Testosteronkonzentration bei männlichen Jugendlichen (Butler 1992).
Injektionslösung (Testosteronenantat) 250 mg/mL
Injektionslösung (Testosteronundecanoat) 1000 mg/4 mL
Gel im Beutel 10 mg/g, 5 g (50 mg Testosteron) pro Beutel
Gel 20 mg/g, 1,15 g (23 mg Testosteron) pro Pumpenhub
Gel 16,2 mg/g, 1,25 g Gel (20,25 mg Testosteron) pro Pumpenhub (nicht im Handel)
Die Injektionslösungen enthalten Testosteron in Form von Testosteronundecanoat bzw. Testosteronenantat. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Testosteronundecanoat bzw. -enantat.
Die unterschiedlichen Präparate sind nicht bioäquivalent. Die Dosierungen werden im Abschnitt Dosierungen Präparate-spezifisch angegeben.
Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:
Die Injektionslösungen enthalten: Benzylbenzoat (Ester aus Benzylalkohol und Benzoesäure)
Die Gele enthalten - je nach Hersteller: Ethanol, Propylenglykol
Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.
Meldungen zu Vertriebseinschränkungen von Arzneispezialitäten in Österreich (BASG)
| Pubertätsinduktion bei pubertas tarda: hypogonadismus |
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| Pubertätsinduktion bei Pubertas tarda: Konstitutionell verzögertes Wachstum und Pubertät (CDGP) |
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| Priming vor Wachstumshormonstimulationstest |
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GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.
GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.
Transdermale Anwendung
In den vorliegenden Studien wurde transdermales Testosteron allgemein gut vertragen. Es wurde eine Tendenz zur Verbesserung oder Normalisierung der Leberenzymwerte während der Behandlung beschrieben (Contreras 2017). Eine andere Studie berichtete über einzelne Fälle von Leberfunktionsstörungen, ohne jedoch die verwendete Testosteron-Formulierung zu spezifizieren (Lucas-Herald 2018).
Reaktionen an der Applikationsstelle traten selten auf. Akne wurde bei 14 % der Patienten beobachet, was in dieser Population aufgrund pubertärer Veränderungen zu erwarten ist. Die am häufigsten berichteten unerwünschten Ereignisse waren Husten (27,6 %), Akne (13,8 %) und Kopfschmerzen (13,8 %) (Rogol 2014)
Intramuskuläre Anwendung
Die Nebenwirkungen sind gering; bei 148 Patienten traten 2 Fälle von schmerzhaften spontanen Erektionen auf; alle behandelten Patienten gaben an, psychisch zufrieden zu sein, im Vergleich zu 40 % der Kontrollgruppe (Soliman 1995). In einer anderen Studie traten bei 8 Jungen (100 %) während der Therapie Erektionen und nächtliche Samenergüsse auf, die auch nach Beendigung der Therapie anhielten (de Lange 1979).
In einer weiteren Kohortenstudie traten bei 5 Jungen (2,7 %) Nebenwirkungen auf: 2 Jungen, die 125 mg Testosteron-Enantat erhielten, litten unter einem schweren therapiebedürftigen Low-Flow-Priapismus; ein Junge, der 50 mg Testosteron-Enantat erhielt, litt unter einem selbstlimitierenden Priapismus und Hodenschmerzen; 2 weitere Jungen, die 50 mg Testosteron-Enantat erhielten, berichteten über Hodenschmerzen. Bei einer Dosis von 250 mg Testosteron-Enantat traten keine Nebenwirkungen auf (Albrecht 2018).
Orale Anwendung
In einer Studie wurde bei einigen Patienten wurde eine transiente Suppression von LH und FSH beobachtet, die jedoch nicht mit klinisch relevanten unerwünschten Ereignissen assoziiert war (Lawaetz 2015). In einer anderen Studie blieben die Leberenzymwerte bei den Patienten stabil, obwohl die Autoren vor gelegentlichen, kurzzeitigen Androgenspitzen nach der Gabe von 40 mg Testosteronundecanoat warnen, über die bereits in der Literatur berichtet wurde (Gregory 1992).
Intramuskuläre Anwendung
Häufig (1-10%): Anstieg des Hämatokrits, der Erythrozyten, des Hämoglobins, Gewichtszunahme
Häufigkeit nicht bekannt: benigne und maligne Lebertumore, Polyzythämie, Überempfindlichkeitsreaktionen, Hypercalcämie, Wassereinlagerungen, Depression, Angstzustände, Kopfschmerzen, Parästhesie, Störungen des Kreislaufsystems, Unterleibsschmerzen, intra-abdominale Blutungen, Übelkeit, abnormale Leberfunktionstests, Gelbsucht, Vergrößerung der Leber, Akne, Alopezie, Ausschlag, Urtikaria, Juckreiz, Haarausfall bei Männern, vorzeitiger Epiphysenschluss, verstärkte Knochenreifung, Reaktion an der Injektionsstelle, Asthenie, Ödeme, Anstieg des prostataspezifischen Antigens, gesteigerte Libido, verminderte Libido, Gynäkomastie, Prostata, Erkrankungen, erhöhte Erektionshäufigkeit, veränderte Spermatogenese, frühzeitige Pubertät, Injektionen von öligen Lösungen wurden mit Reaktionen wie
Husten, Dyspnoe, Brustschmerzen, vasovagaler Reaktionen wie Unwohlsein, Hyperhidrose, Schwindel, Parästhesien oder Synkopen in Zusammenhang gebracht
Transdermale Anwendung
Häufig (1-10%): Reaktionen an der Applikationsstelle (einschließlich Hautausschlag, Erythem, Pruritus, Dermatitis, Trockenheit und Hautreizungen), erhöhte Triglycerid-Werte im Blut/Hypertriglyceridämie, erhöhte PSA-Werte, erhöhter Hämatokrit, Hypertonie
Gelegentlich (0,1-1%): erhöhte Hämoglobin-Werte, Kopfschmerzen
Häufigkeit nicht bekannt: Polyzythämie, Anämie, Schlaflosigkeit, Depression, Angst, Aggression, Nervosität, Feindseligkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Parästhesie, Hitzewallungen (Vasodilatation), tiefe Venenthrombose, Dyspnoe, Schlafapnoe, Übelkeit, Hautreaktionen einschließlich Akne, Seborrhö und Glatzenbildung (Alopezie), Schwitzen und Hypertrichose, Muskel- und Knochenschmerzen, Muskelkrämpfe, beeinträchtigte Blasenentleerung, Harnwegsobstruktion, Gynäkomastie, verstärkte Erektion, Hodenstörungen, Oligospermie, benigne Prostatahyperplasie, Veränderungen der Libido (aufgrund einer Unterbrechung oder Reduktion der Spermatogenese bewirkt die Therapie mit hohen Dosen von Testosteron-Präparaten häufig eine Größenabnahme der Hoden; die Testosteronersatztherapie bei Hypogonadismus kann in seltenen Fällen eine persistierende, schmerzhafte Erektion (Priapismus), Prostata-Anomalien und ein Prostata-Karzinom hervorrufen), Asthenie, Unwohlsein, Reaktionen an der Applikationsstelle, vermehrte Wasserretention und Ödeme (hohe Dosen oder Langzeittherapie); Überempfindlichkeitsreaktionen, Gewichtszunahme, erhöhte PSA-Werte, erhöhter Hämatokrit, Erhöhung der Anzahl der Erythrozyten oder erhöhte Hämoglobin-Werte, Elektrolytveränderungen (Retention von Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium, anorganischem Phosphat und Wasser) während der Behandlung mit hohen Dosen und/oder einer längeren Behandlung. Ikterus und pathologische Leberwerte
Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Die vollständige Auflistung aller Gegenanzeigen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
Die Anwendung von Androgenen sollte bei präpubertären Jungen nur unter sorgfältiger Kontrolle erfolgen, um einen vorzeitigen Verschluss der Epiphysenfugen oder eine vorzeitige Geschlechtsreife zu verhindern (SmPC Sustanon)
Die Indikation „Wachstumshemmung“ wurde 2026 aus Kindermedika entfernt. Eine hochdosierte Testosterontherapie hat keinen signifikanten Einfluss auf die endgültige Körpergröße von männlichen Jugendlichen, die von Natur aus groß sind. Obwohl die Daten zur langfristigen Fertilität weitgehend unbedenklich erscheinen, deuten persistierende hormonelle Veränderungen – darunter erhöhte FSH-Spiegel und erniedrigte Serumtestosteronwerte – auf subtile Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit hin. Diese Ergebnisse untermauern die aktuelle Empfehlung, hohe Testosterondosen zur Wachstumshemmung zu vermeiden, da das Nutzen-Risiko-Verhältnis ungünstig ist. (Tellingen 2023; de Waal 1995; Hendriks 2010)
Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://aspregister.basg.gv.at).
| Interaktionspartner | Grund | Handlungsempfehlung |
| Vitamin K Antagonisten | Testosteron kann die gerinnungshemmende Wirkung von Antikoagulanzien verstärken. | Engmaschige Überwachung der Prothrombinzeit |
Die vollständige Auflistung aller Wechselwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.
In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.