Ivabradin

Wirkstoff
Ivabradin
Handelsname
Corlentor®, Procoralan®
ATC-Code
C01EB17
Dosierungen
Nierenfunktionsstörungen

Darreichungsformen und Hilfsstoffe
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
Kontraindikationen
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wechselwirkungen
Pharmakodynamik und -kinetik

Zulassung
Wirkstoffe der gleichen ATC-Klasse
Referenzen
Änderungsverzeichnis

Pharmakodynamik

Ivabradin ist ein rein herzfrequenzsenkender Wirkstoff, der eine selektive und spezifische Hemmung des If-Stromes bewirkt, welcher als Schrittmacher im Herzen die spontane diastolische Depolarisation im Sinusknoten kontrolliert und die Herzfrequenz reguliert. Die kardialen Wirkungen sind spezifisch für den Sinusknoten und haben weder Einfluss auf intra-atriale, atrioventrikuläre oder intraventrikuläre Überleitungszeiten noch auf die myokardiale Kontraktilität oder ventrikuläre Repolarisation.

Ivabradin kann auch Effekte auf den Netzhautstrom Ih haben, welcher stark dem If-Strom des Herzens ähnelt. Er ist beteiligt an der temporären Auflösung des visuellen Systems, indem er die Antwort der Netzhaut auf helle Lichtreize verkürzt. Unter Trigger-Bedingungen (z.B. schnelle Lichtstärkenänderungen) ist die partielle Hemmung des Ih-Kanals durch Ivabradin Ursache der lichtbedingten Symptome, die gelegentlich bei Patienten beobachtet werden. Lichtbedingte Symptome (Phosphene) werden als vorübergehende verstärkte Helligkeit in einem begrenzten Bereich des Gesichtsfeldes beschrieben.

Pharmakokinetik bei Kindern

Die Pharmakokinetik von Ivabradin und dem Hauptmetaboliten S 18982 wurde bei 70 pädiatrischen Patienten (Alter 6 Monate bis <18 Jahre) mit dilatativer Kardiomyopathie und symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz untersucht, denen Ivabradin 2x täglich verabreicht wurde.
Die Exposition von Ivabradin und dem Metaboliten S 18982 wurde nach gewichtsbasierter Dosierung und Dosistitration gemessen. Ziel der Titration war das Erreichen einer Dosis, die eine Senkung der Herzfrequenz um 20 % ermöglicht, ohne eine Bradykardie und/oder entsprechende Symptome auszulösen.
Die Analysen zeigten einen vergleichbaren Zusammenhang zwischen Exposition und Senkung der Herzfrequenz bei pädiatrischen Altersgruppen und bei Erwachsenen. Die Steady-State-Expositionen von Ivabradin und S 18982 unter Erhaltungsdosen bei pädiatrischen Patienten sind ähnlich den Expositionen bei erwachsenen Herzinsuffizienz-Patienten unter einer Dosierung von 5 mg 2x täglich. (FDA Label)

Zulassung der Dosierungsempfehlungen in Kindermedika.at

  • Stabile symptomatische Herzinsuffizienz infolge einer dilatativen Kardiomyopathie
    • Oral
      • Off-label

Auszug aus Fachinformation Auszug aus Fachinformation

Textauszug aus Fachinformation

Keine Arzneispezialität für Kinder in Österreich zugelassen. 

Die aktuellen Fachinformationen können unter https://medikamente.basg.gv.at abgerufen werden.

Präparate im Handel

Filmtabletten 5 mg, 7,5 mg

Ivabradin ist in den verfügbaren Filmtabletten in Form von Ivabradinhydrochlorid oder-oxalat enthalten. Die angegebene Stärke bezieht sich auf Ivabradin.

Anwendungshinweis:

Die Einnahme der Tabletten sollte während einer Mahlzeit erfolgen.

Für Kinder potentiell problematische Hilfsstoffe:

Die Tabletten können - je nach Hersteller - enthalten: Lactose

Detaillierte Informationen zu einzelnen Präparaten entnehmen Sie bitte den Fachinformationen.

Dosierungen

Stabile symptomatische Herzinsuffizienz infolge einer dilatativen Kardiomyopathie
  • Oral
    • 6 Monate bis 1 Jahr und < 40 kg
      [1]
      • 0,1 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Max: 0,4 mg/kg/Tag
      • Dosistitration alle 2 Wochen um 0,05 mg/kg/Dosis in Abhängigkeit von der Herzfrequenz

    • 1 Jahr bis 18 Jahre und < 40 kg
      [1]
      • 0,1 mg/kg/Tag in 2 Dosen. Max: 0,6 mg/kg/Tag
      • Maximal 15 mg/Tag

        • Dosistitration alle 2 Wochen um 0,05 mg/kg/Dosis in Abhängigkeit von der Herzfrequenz
    • 6 Monate bis 18 Jahre und ≥ 40 kg
      [1]
      • 5 mg/Tag in 2 Dosen. Max: 15 mg/Tag.
      • Dosistitration alle 2 Wochen um 2,5 mg/Dosis in Abhängigkeit von der Herzfrequenz

Nierenfunktionsstörungen bei Kindern > 3 Monate

GFR ≥10 ml/min/1.73m2: Dosisanpassung nicht erforderlich.

GFR <10 ml/min/1.73m2: Eine allgemeine Empfehlung zur Dosisanpassung kann nicht gegeben werden.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen bei Kindern

Die Sicherheit von Ivabradin bei pädiatrischen Patienten im Alter von 6 Monaten bis <18 Jahren basiert auf einer klinischen Studie mit symptomatischen Herzinsuffizienz-Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie und erhöhter Herzfrequenz. Diese Studie umfasst Erfahrungen von 73 Patienten, die über eine mediane Dauer von 397 Tagen mit Ivabradin behandelt wurden, sowie von 42 Patienten, die ein Placebo erhielten.
Bradykardien (symptomatisch und asymptomatisch) traten in ähnlicher Häufigkeit wie bei Erwachsenen auf. Auch Phosphene (lichtbedingte visuelle Symptome) wurden bei pädiatrischen Patienten unter der Behandlung mit Ivabradin beobachtet. (FDA Label)

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen allgemein

Sehr häufig (≥ 10%): Lichtbedingte visuelle Symptome (Phosphene)

Häufig (1-10%): Kopfschmerz (im Allgemeinen während des ersten Behandlungsmonats), Schwindel (möglicherweise im Zusammenhang mit Bradykardie), verschwommenes Sehen, Bradykardie, AV-Block ersten Grades (Verlängerung des PQ-Intervalls im EKG), ventrikuläre Extrasystolen, Vorhofflimmern, unkontrollierter Blutdruck

Gelegentlich (0,1-1%): Eosinophilie, Hyperurikämie, Synkope (möglicherweise im Zusammenhang mit Bradykardie), Diplopie, Sehstörungen, Vertigo, Palpitationen, supraventrikuläre Extrasystolen, Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, Hypotonie (möglicherweise im Zusammenhang mit Bradykardie), Dyspnoe, Übelkeit, Verstopfung, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Angioödem, Ausschlag, Muskelspasmen, erhöhte Kreatininwerte im Blut, Asthenie (möglicherweise im Zusammenhang mit Bradykardie),  Erschöpfung (möglicherweise im Zusammenhang mit Bradykardie)

Selten (0,01-0,1%): Erythem, Pruritus, Urtikaria, Unwohlsein (möglicherweise im Zusammenhang mit Bradykardie)

Sehr selten (< 0,01%): AV-Block 2. Grades, AV-Block 3. Grades, Sick-Sinus-Syndrom

Die vollständige Auflistung aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen

Kontraindikationen allgemein

  • Herzfrequenz im Ruhezustand unter 70 Schläge pro Minute (bpm) vor der Behandlung
  • Kardiogener Schock
  • Akuter Myokardinfarkt
  • Schwere Hypotonie (< 90/50 mmHg)
  • Schwere Leberinsuffizienz
  • Sick-Sinus-Syndrom
  • SA-Block
  • Instabile oder akute Herzinsuffizienz
  • Herzschrittmacher-Abhängigkeit (Herzfrequenz wird ausschließlich durch den Schrittmacher erzeugt)
  • Instabile Angina pectoris
  • AV-Block 3. Grades
  • Anwendung von starken Cytochrom P450 3A4-Hemmern wie Antimykotika vom Azoltyp (Ketoconazol, Itraconazol), Makrolidantibiotika (Clarithromycin, Erythromycin per os, Josamycin, Telithromycin), HIV-Proteaseinhibitoren (Nelfinavir, Ritonavir) und Nefazodon
  • Kombination mit Verapamil oder Diltiazem (moderate CYP3A4-Inhibitoren mit herzfrequenzsenkenden Eigenschaften)

Die vollständige Auflistung aller Kontraindikationen ist den aktuellen Fachinformationen zu entnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Kindern

Die Einnahme von Ivabradin sollte zusammen mit Nahrung erfolgen (FDA Label)

Bei mit Ivabradin behandelten pädiatrischen Patienten wurden Bradykardien und AV-Block 1. Grades beobachtet. Asymptomatische und symptomatische Bradykardien traten bei 6,8 % bzw. 4,1 % der mit Ivabradin behandelten pädiatrischen Patienten auf. In der Placebo-Gruppe zeigten 2,4 % der pädiatrischen Patienten eine asymptomatische Bradykardie, kein Patient wies eine symptomatische Bradykardie auf. Die Bradykardie wurde durch Dosistitration kontrolliert und führte nicht zum Absetzen von Ivabradin (FDA Label)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen allgemein

Allgemeine Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen entnehmen Sie bitte den aktuellen Fachinformationen (https://medikamente.basg.gv.at/).

Wechselwirkungen

Diese Informationen werden im Moment recherchiert und baldmöglichst zur Verfügung gestellt.
Bitte beachten Sie die aktuellen Fachinformationen.

ANDERE HERZMITTEL

In diesem Abschnitt werden Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse zum Vergleich aufgelistet. Arzneistoffe der gleichen ATC-Klasse sind nicht per se untereinander austauschbar. Die Aufzählung darf daher nicht uneingeschränkt als Therapiealternative verstanden werden.

Prostaglandine

Alprostadil

Alprostapint®, Minprog®, Neupedix®
C01EA01
Andere Herzmittel
C01EB10
C01EB16

Referenzen

  1. Amgen Inc. , CORLANOR® (ivabradine) tablets, for oral use, CORLANOR® (ivabradine) oral solution (Reference ID: 4422121), https://www.accessdata.fda.gov/, 04/2019
  2. Les Laboratoires Servier, SmPC Corlentor 5 mg, 7,5 mg Filmtabletten (EU/1/05/317/001-014) Rev 29, 17-11-2025, www.ema.europa.eu

Änderungsverzeichnis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)


Überdosierung